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Die Top 10 Eigenschaften im neuen Aufsichtsrat

Geschrieben von Herbert Fritsch-Richter am 14. Dezember 2020



Eine Einschätzung aus über 400 Gesprächen mit Stakeholdern österreichischer Unternehmen

Die Revolution im Aufsichtsrat ist bereits eingeleitet. Diversity, Digitalisierung und Challenger - Welche Top 10 Eigenschaften werden von einem Aufsichtsrat im Jahr 2021 gefordert? Über 400 Gespräche mit Geschäftsführern, Vorständen, Aufsichtsräten und Unternehmenseigentümern vorwiegend aus dem Sektoren Industrie, Automotive und Energie in den letzten 9 Monaten liefern ein klares Bild.

 

Die Ausgangslage

Jeder kann es fühlen und viele sprechen es immer öfter aus. Unsere Welt befindet sich in einem starken Wandel und ist bereits dabei, sich in vielen Bereichen nachhaltig zu verändern. Der rasche technologische Wandel, die voranschreitende Globalisierung und Covid-19 als Brandbeschleuniger tragen zu einer starken Disruption, Transformation und einer sich nachhaltig verändernden Organisations- und Arbeitswelt bei.

Die Adaptierung auf die veränderten Rahmenbedingungen in unterschiedlichsten Unternehmensbereichen ist mehr denn zuvor für das zukünftige Überleben von Unternehmen notwendig. Die aktuelle Krise ist jedoch auch für viele Organisationen eine große Chance. Unternehmen, die es verstehen sich rasch zu adaptieren, digitalisieren und zu transformieren, sollten die dominierenden Player der Zukunft sein.

Der Versuch einer neuen Ordnung:

Die notwendige Transformation betrifft nun auch verstärkt die Rolle des Aufsichtsrates. Ein auf lange Zeit unangetasteter und starrer Bereich wird nun durch die Unsicherheiten des Jahres 2020 ebenfalls stark aufgeweicht und einer nie dagewesenen Veränderung unterworfen. Wenn man bedenkt, dass der Aufsichtsrat die Spitze des Unternehmens darstellen sollte, ein sicherlich wichtiger und bereits überfälliger Schritt. Zahlreiche Studien haben bereits belegt, dass ein stark diversifiziertes Management einen positiven Einfluss auf die Unternehmenskennzahlen und den Aktienkurs hat.

Wir sind in der glücklichen Situation uns vermehrt mit dem spannenden Thema des Aufsichtsrats in Österreich beschäftigen zu dürfen. Einerseits interessieren sich viele unserer Kandidaten für spannende Aufsichtsratsmandate und in weiterer Folge geben sich viele unserer Kunden mit dem Status-Quo ihres Aufsichtsrates nicht mehr zufrieden und fordern eine stärkere Diversität, die ihr Unternehmen für die zukünftigen Herausforderungen rüstet.

Als Personalberatung, die stark auf die Themen Digitalisierung, Innovation, Social-Media & Diversifikation setzt, werden wir immer öfter als der passende Partner wahrgenommen und schaffen somit eine Brücke zwischen potentiellen Aufsichtsräten und diversen Stakeholdern.

Es ist sicherlich kein Zufall, dass sich immer wieder die gleichen Personen in diversen Aufsichtsräten befinden. Bei einer ähnlichen Ausbildung, gleichen Denkmustern, gleichen Netzwerken und Seilschaften ist hier jedoch eine Diversität schwer ausfindig zu machen.

Das Verfolgen von vermeintlichen Top-Outperformern im Naheverhältnis der Stakeholder verliert jedoch zunehmend an Bedeutung und etwas zu können ist zunehmend wichtiger als das jemanden zu kennen.

Ein Ausblick mit Hoffnung:

In über 400 Gesprächen und Interviews, die ich in den letzten neun Monaten mit Geschäftsführern, Vorständen, Aufsichtsräten und Unternehmenseigentümern in Österreich führen durfte, ist jedoch Aufbruchsstimmung zu bemerken. Man will sich mit der aktuellen Situation nicht mehr zufriedengeben und sehnt sich nach einer Neuausrichtung.

Welche Top 10 Eigenschaften werden nun von einem Aufsichtsrat im Jahr 2021 gefordert:

    1. Out of the Box Denker, Challenger, Wachrüttler
    2. Starker Digitalisierungsbackground bzw. Affinität & Kenntnisse
    3. Gender-Diversity mit starkem internationalem Background
    4. Fühlt sich von bewahrend/verwaltenden Einstellungen irritiert und provoziert
    5. Findet seine Berufung als Sparringpartner und nicht als Überwacher
    6. Kennt die neue Arbeitswelt und die damit einhergehenden Veränderungen
    7. Hinterfragt kritisch den Status-Quo & und kann auch nein sagen
    8. Inspiriert, fordert und fördert die Geschäftsführung bzw. den Vorstand
    9. Breite & tiefe Kenntnisse in unterschiedlichsten Bereichen
    10. Zeitliche Ressourcen für eine gewissenhafte und ausführliche Ausübung

Diversität schafft neue Werte:

Somit ergibt sich ein klares Bild. Digitale Querdenker, die erfrischende Kenntnisse einbringen, den gegenwärtigen Zustand kritisch hinterfragen und bewahrende Einstellungen als die größte Gefahr für eine nachhaltige & positive Entwicklung von Unternehmen sehen, sollen hier den ausschlaggebenden Mehrwert bringen. Manchen Unternehmen ist dies bereits sehr gut gelungen und schreiten mit innovativen Schritten voran.

Als positives Beispiel könnte hier u.a. die Ottakringer Getränke AG herangezogen werden, die es versteht, digitale Enthusiasten und Out of the Box Denker aus unterschiedlichen Sektoren und Industrien als Aufsichtsräte für sich zu gewinnen.

Es ist inspirierend zu beobachten, dass Tech-Unternehmen mit starkem Wachstum und junger Unternehmensgeschichte von Grund auf einen breit diversifizierten Aufsichtsrat mitbringen und hier weniger Handlungsbedarf gesehen wird. Das Gegenteil ist hier bei alteingesessenen Industriebetrieben der Fall. Hier ist der Aufsichtsrat vorwiegend aus den Seilschaften, Familien und engen Netzwerken der Eigentümer zu beobachten und Stakeholder sind mit der Situation zunehmend unzufrieden.

Eine neue Richtung:

Ein weiterer Trend, der sich in den Gesprächen klar abzeichnete ist, dass Vorstände und Geschäftsführer sich neben der reinen Überwachungsfunktion oder einer passiven Dienst nach Vorschrift-Attitude vermehrt Unterstützung zur bestmöglichen Erreichung der Unternehmensziele wünschen.

Somit die Forderung nach einem Sparringpartner, der die strategische Richtung vorgibt und den Geschäftsführer auf seiner Reise begleitet und unterstützt. Was in Zukunft zählt sind, wie in allen Positionen, im Unternehmensfeld vermehrt Ergebnisse. Wann, wie und wo diese erreicht werden wird vermehrt irrelevant. Verstärkt durch die Digitalisierung und die neue Arbeitswelt streben alle Kandidaten nach mehr Gestaltungsfreiraum und Freiheit.

Unternehmen, die diese neue Arbeitswelt verstehen und Ihre Organisation darauf adaptieren werden in Zukunft die besten Köpfe für sich gewinnen können.

Starke Fachkenntnisse in den Bereichen Recht, Wirtschaft und Finanz werden nach wie vor als sehr gutes Asset angesehen. Jedoch sollte der neue Aufsichtsrat Kenntnisse in vielen Bereichen mitbringen und nicht ausschließlich auf einzelne Bereiche spezialisiert sein. Ein guter Rundumblick und Übersicht sind hier erwünscht und gefragt. Für komplexe Beratungsschwerpunkte werden ohnehin externe Berater eingeschaltet. Hier ist die Rolle des Aufsichtsrates als zusätzlicher Berater zu vernachlässigen.

Der zukünftige CFO im Aufsichtsrat:

Ich beschäftige mich auf Kandidaten- sowie auf der Kundenseite sehr intensiv mit der Rolle des CFO´s. Finanzmanager sind in jedem Aufsichtsrat stark gefragt. Der begehrte CFO, egal ob in der Rolle des Aufsichtsrats, der Geschäftsführung oder des Vorstandes, sollte jedoch auch hier zusätzlich zu seinen Kernaufgaben sehr breite Kenntnisse mitbringen und diese auch in seiner Funktion verantworten (Legal, IT, HR, M&A etc.).

Die CFO´s aus meinem Netzwerk kennen meine Meinung zu diesem Thema: In einem „kleineren“ Unternehmen als CFO sehr breit aufgestellt sein ist für die Karriereleiter vorteilhafter als für ein Großunternehmen die Finanzabteilung „CF12“ zu leiten.

Mein Fazit:

Meine Einsichten sprechen in Österreich leider noch nicht für eine Aufsichtratspolitik, die fit für die zukünftigen Herausforderungen ist. Viele Besetzungen erfolgen nach wie vor eher aus dem Naheverhältnis der Stakeholder (insb. Familie, Freunde, Bekannte). Somit werden noch vielfach Aufsichtsräte nach dem Kriterium des geringsten Widerstands im Supervisory-Board gesucht.

Hier lässt sich auch die Frage stellen, ob die jetzige Konstellation an Gesetzen etc. für eine notwendige Neuausrichtung nicht ebenfalls einer grundlegenden Transformation unterzogen werden sollte. Natürlich tragen hier auch die politischen Rahmenbedingungen in Österreich keinesfalls zu einer schnellen Entlastung der Situation bei. Eine geringe Vergütung und eine persönliche Haftung mit dem Privatvermögen spornen hier sicherlich nicht zu Höchstleistungen an und verstärken die Risikoaversität aller Beteiligten.

Beruhigend ist jedoch, dass langsam aber stetig die alten Netzwerke zu „bröckeln“ beginnen und die Silberrücken aus den alten Netzwerken (old boys) verlieren für neue strategische Ausrichtungen von Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Die klassische Country-Club Stimmung stößt hier vermehrt auf Ablehnung.

Es gibt in der stark disruptiven und von Umbrüchen und Unsicherheiten geprägten Wirtschaft viele mutige Entscheidungsträger, die sich mit dem Status-Quo nicht mehr zufriedengeben wollen und nach der neuen „Diversity“ hungrig sind. Dies betrifft in Unternehmen natürlich vermehrt Positionen auf allen Ebenen.

Unser Beitrag

Wir von EO setzen auf Digitalisierung, Diversifikation & Innovation. Wir möchten unser Netzwerk in allen Belangen unterstützen und hinterfragen immer bewusst kritisch den Istzustand. Wir versuchen unser Netzwerk an Kunden & Kandidaten darauf zu sensibilisieren, dass Stillstand, Bewahrung und Abwarten die größte Gefahr für ihr Unternehmen und unsere Wirtschaft ist.

Wenn wir dazu beitragen können, mit einer breit diversifizierten Auswahl an attraktiven Kandidaten die Leistungsfähigkeit von Unternehmen zu verstärken und somit unsere Kunden bestmöglich unterstützen, haben wir unser primäres Ziel #resultsthroughpeople bereits erreicht.

 

Herbert Fritsch Richter

Associate Partner



 

 

Zu EO Executives: International Executive Search & Interim Management
Wir sind Experten in der Besetzung von Führungspositionen und wissen, worauf es ankommt, wenn Teams gute Resultate erzielen müssen. Mit der internationalen executive-bank™ sind unsere Berater die Schnittstelle zu weltweit über 30.000 Interim Managern und mehr als 250.000 Führungskräften. EO ist international in 8 Ländern und auf 21 Standorten vertreten. In Österreich sind wir in Wien, Linz und Salzburg vertreten. 

Zum Autor: Mag. Herbert Fritsch-Richter
Herbert Fritsch-Richter bekleidet die Rolle des Director Operations in Österreich. Seine fokussierten Besetzungen sind Führungskräfte und Senior Spezialisten im Sektor Finanz, Automotive und in der Industrie. Einen Schwerpunkt setzt er bei der Besetzung von Führungskräften im Bereich Elektromobilität, autonomes Fahren und Green-Energy, national wie international. Vor EO Executives Austria leitete Herr Fritsch-Richter eine internationale Personalberatung im Bereich Finance und leitete Unternehmen im Sektor Industrie und in der Dienstleistung.

Gender Erklärung
Zur besseren Lesbarkeit werden in diesem Betrag zum Teil personenbezogene Bezeichnungen, die sich zugleich auf Frauen und Männer beziehen, in der im Deutschen üblichen männlichen Form angeführt, also z.B. "Teilnehmer" statt "TeilnehmerInnen" oder "Teilnehmerinnen und Teilnehmer". Dies soll jedoch keinesfalls eine Geschlechterdiskriminierung oder eine Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes zum Ausdruck bringen.

 

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