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Corporate Self-Marketing - How NOT to

Geschrieben von Oliver J. Peters am 22. Juli 2020



Stellen Sie sich folgende (frei erfundene) Erfahrung eines Bewerbers vor:


Der große Tag ist da, Sie sitzen als Kandidat bei einem Ihrer Traumarbeitgeber. Der Weg hierher war schwierig: erst die (freiwillige oder unfreiwillige) Entscheidung, sich zu verändern, x Versionen eines optimierten und wiederholt (hoffentlich) rechtschreibgeprüften Lebenslaufes erstellt, Netzwerke und Stellenbörsen abgeklappert und sich mehrfach beworben, teilweise ohne irgendeine Rückmeldung zu Eingang oder Status, schließlich sogar Erstgespräche geführt und möglicherweise einen Personalberater überzeugt.

Endlich eine Einladung zum persönlichen Termin, gefolgt von tagelanger Recherche und Vorbereitung.

Die Anreise gewissenhaft geplant und nun sitzen Sie pünktlich hier am Empfang. Sie werden in den Meeting-Raum geholt und die Spannung ist auf dem Höhepunkt. Wenn Sie Glück haben, sitzen alle Unternehmensvertreter schon am Tisch, viel zu oft kommt dann aber doch noch eine oder einer verspätet rein mit Verweis auf Kaffeemaschine / Call / Aufzug / Projektdeadline.

Jetzt geht es aber los, denken Sie, es gibt so viel zu erfahren.

Und dann folgt: "Guten Tag Herr / Frau X, schön dass wir uns heute kennenlernen. Ich bin Herr A, seit 15 Jahren bei U. Ich bin Frau B, seit 20 Jahren bei U. Ich bin Frau C, seit 25 Jahren bei U! Aber jetzt wollen wir gerne ganz viel von Ihnen wissen, erzählen Sie doch mal!" Knapp 60 Minuten später verlässt ein verwirrter / enttäuschter / verlorener Kandidat das Firmengelände.
 

Sollten Sie sich als Arbeitgeber hier entfernt wiedererkennen, dann prüfen Sie doch einmal die folgenden Punkte



1. Haben Bewerbungsgespräche den notwendigen hohen Stellenwert bei Ihnen im Haus?

Niemand sollte diese als lästige Pflicht wahrnehmen, die "time-allowing" in den Kalender gepresst werden. Dinge und Ereignisse haben die Bedeutung, die man Ihnen gibt! Arbeiten Sie daran, dass Termine mit Kandidaten als Investition in die Zukunft des Unternehmens gesehen und entsprechend priorisiert werden.
 

2. Wann und wie intensiv betreiben Sie in solchen Gesprächen aktiv Werbung für Ihr Unternehmen / Ihren Bereich / Ihr Team?

Aus meiner Sicht ist dies am Anfang eines Gespräches am sinnvollsten, um den Kandidaten "abzuholen" und auch zu sehen, wie gut er/sie Ihnen zuhört und Informationen mit seinem / ihrem Erfahrungsschatz kombiniert. Informationsfluss und Begeisterung sind keine Einbahnstraßen!
 

3. Wie stellen Sie sicher, dass diese Werbung / Unternehmens-Informationen den Kandidaten erreicht haben?

Viel zu oft vertrauen Teilnehmer in einem Interview auf die Kraft von Corporate Websites oder darauf, dass "das schon in einem der früheren Gespräche erläutert wurde". Ist es aber meistens nicht, da oft in frühen Gesprächen "das können wir auch noch später im Prozess machen" gedacht wird. Routine ist die kleine Schwester von Nachlässigkeit! Wehren Sie sich dagegen und kommunizieren Sie an alle internen Teilnehmer einen klaren Bewerbungsprozess und Verantwortlichkeiten.
 

4. Wie oft hören Sie in Ihrem Haus "jeder will zu uns hier bei U., wir sind Marktführer / Top-Arbeitgeber / Traditionsunternehmen" oder "gute Leute / Top-Talente sind heute unglaublich schwer zu finden"?

Die Antwort auf möglichen Mangel ist nicht nur ein solides Employer Branding-Budget, ein toller HR-Bereich oder die Zusammenarbeit mit leistungsfähigen Personalberatern. Sehen Sie jeden Kandidaten als einen Multiplikator, der selbst nach einer Absage noch von Ihrem Haus schwärmt. Bekämpfen Sie Selbstgefälligkeit und Selbstmitleid durch gezielte Aktivitäten und Achtsamkeit für Sprech- und Denkweisen!
 

5. Was bekommen Bewerber nach dem Gespräch von Ihrem Unternehmen?

Das offensichtlich standardisierte AGG-konforme Absageschreiben? Wo immer es geht und sinnvoll leistbar ist: Geben Sie Feedback! Jeder noch so kleine Hinweis wird von Kandidaten extrem geschätzt und hilft bei der persönlichen Weiterentwicklung. Und Ihr Unternehmen hebt sich dadurch noch ein letztes Mal positiv von anderen Arbeitgebern ab.


Welche Verbesserungsmaßnahmen haben Sie erfolgreich erlebt und/oder umgesetzt?



Ich freue mich auf Ihr Feedback. 
 

Oliver J. Peters

E-Mail: oliver.peters@eoexecutives.com
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